Aufruf an den Menschen des 21. Jahrhunderts

Unruhen und Probleme wachsen, ihnen wird man nicht entgehen können. Jetzt zerren sie und bewegen uns, weit weg von dem Sicheren. Reißen die Gedankenmuster von dem in sich selbst verweilenden Menschen und erzeugen mit aller Gewalt Veränderungen. Krisen erzeugen neue Bewegungen und Muster. Eine Schema zeichnet und formt sich aus dem Chaos: WIR.

WIR, WIR sind viel zu schnell gewachsen. WIR sind nicht mehr überschaubar und vertraut. WIR sind nicht mehr die Familie, die Gemeinschaft, die Dörfer, die Städte, die Länder oder die Nationen. Irgendwie können wir kaum auf unsere Füße blicken, ohne dass es uns schwindelig wird. Und dann verlangt es von uns zu laufen. Dabei fallen wir immer wieder hin. Ein Fehler?

Jemand klopfte an unsere Tür, wir öffneten und die Übel strömten in unser Haus. Wie Wellen brachen die Ungetüme über uns herein, jetzt mussten wir auch noch schwimmen lernen. Mit den Übeln kam auch sie: Medusa. Wir kannten sie doch nur aus Märchen. Nie hätten wir sie eingeladen, doch nun ist sie da. Sie scheint ein unwillkommener Gast zu sein. Traut man sich genau in ihre Augen zu sehen, wird erhärtete sich eine Wahrheit. Und wir erkennen in ihrer chaotischen und zerstörerischen Erscheinung ein Muster. Die Form ist bekannt. Schauen wir auf unsere Hände, sehen WIR.

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Für manche war es untervertraut und erschreckend, so einen Gast im Haus zu haben. Denn Gastfreundschaft hat uns niemand beigebracht, schon gar nicht für die unwillkommenen Besucher.  Die Ängstlichen wollten die Tür nie öffnen.

Diese neuen Unruhen beunruhigten nicht nur unser inneres Bild, sondern wirbelten auch die uns liebgewonnen Linien auf. Die schönen Geraden, konstanten und vertrauen Formen, brachen einfach weg. Etwas Altes und Geliebtes schien uns verlassen zu haben. Leere entstand im Kopf. Wo die unaufmerksame Stille herrscht, greift der Arm der Angst. Durchaus menschlich. Angst scheint ein ständiger Begleiter des Neuen WIRs.

WIR sind die Menschen des 21. Jahrhunderts.

Wir sind, wie Generationen vor uns, über unbekannte Grenzen gegangen. Haben es geschafft, die Glaskugel zu sprengen und fielen durch den gottgegebenen Sternenhimmel. Im Wachstum machten wir uns die Sterne Untertan. Ist das nicht unglaublich und gewaltig? Ja, natürlich erzeugt dies Angst. Mit unseren Händen konnten wir erschaffen und zerstören. Ein ständiger Wandel. Wer aber an dem Vergänglichen haftete, fürchtete die Bewegung. Die Bewegung deutete auf UNS hin. WIR kamen uns näher.

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Immer der Neugier nach, konnten die Ängste etwas weichen. Wir entdeckten in der Ferne das Ich und das Er. Jetzt mussten wir denken lernen. Viel uns viel zu schwer. Wir erkannten, dass dieses Er unserem Ich doch ähnlicher war, als das wir es zugeben wollten. Vertraut. Wie eine Schwester und ein Bruder.

Dann umarmten wir UNS und verschmolzen. Einige der neuen Menschen schritten voran. Die, die mehr besaßen, teilten aus Freunde. Jene, welche nicht einmal aus Liebe geben konnten, empfangen. Miteinander durchlebten WIR alles. Freude und Leid, denn von nun an, waren wir nicht mehr alleine. Geeint durch eine Mutter, fühlten manche die Verbindung. WIR lernten hören, verstehen, streiten, lachen und bewundern. WIR waren Menschen dieser Erde. WIR waren schon so greifbar.

Die Ängstlichen und die Getrennten ließen nicht ab und schrien: Die Globalisierung ist ein Fluch! Die ungerechte Wirtschaft ist die Pyramide der Geschichte. Sie macht die Reichen reicher und die Armen…verzweifelter. Wir werden alle stumpf und gleich. Der freie Wille ist eine Illusion, das Individuum ein Traum.

Kann man etwas verlieren, das man nie besaß? Frage ich dich. Dann schweige ich traurig…

Ich kann den Schmerz und das Grauen des Menschen nicht verleugnen, zu offen ist die Gier. Mehr über Blutmeer. Kein Ende in Sicht. Das Unheil schritt schon immer an unserer Seite.

Siehst du schon die Muster?

Und jetzt sind die Grenzen gebrochen und der Strom der Unruhen strömt über uns herein. Die einen warnten, die anderen fluchten und manche suchten Hoffnung. Wo keine Taten folgten, währten diese Dinge fort. Doch langsam, langsam wird es immer klarer. Eine Wahrheit, diese kann bestehen, das Übel dieser Welt wird nie vergehen.

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Erkennen.

Nun sind wir gezwungen nicht nur unsere Probleme zu beklagen, sondern müssen lernen zuzuhören. Tausende Meilen entfernt schreien Menschen vor Schmerzen. WIR müssen fühlen lernen, ob wir es wollen oder nicht. Ein zurück gibt es nicht. Egal wie stark WIR es doch wünschen.

Du sagst: Schließ doch die Grenzen, verriegele die Türen und stopp das Wasser.

Ich sage, wenn du das Wasser aufhältst, so wirst du verdursten. Verschließt du die Tür, so wirst du verhungern. Baust du eine Mauer, stirbt erst dein Verstand und mit ihm deine Seele. Es gibt nur einen Weg, hindurch!

Ja, ich weiß, es ist kalt. Wir sind zu schnell gewachsen und wurden gezwungen zu  lernen. Wir waren nie bereit. Doch habe ich es nicht schon gesagt, DU bist nicht allein! Du warst es nie, nur hast du es nicht wirklich sehen können oder wollen. Dein Leid ist der Schmerz des Bruders. Deine Gabe ist das Geschenk der Schwester. Wozu führt uns diese Einigkeit?

WIR müssen zurück.

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Zurück? Aber…

Zurück zu den vergessenen Wurzeln, zurück zu unserer Mutter. Vielleicht hast du es bereits erkannt.  Nachdem wir unser Haus so lange verleugnet haben, kamen wir gebrochen zurück und standen vor der Schwelle. Sie öffnete. Eine Mutter kann nur lieben und verzeihen. Auch wenn die Augen ihres Kindes von Leid und Angst schreien, sie lässt uns nie allein. WIR sind hier. WIR sind immer mit ihr.

Jetzt ist es unsere Zeit zurück zu geben.

Warum?

WIR waren unachtsam, nahmen ohne zu danken, ohne die elementaren Regeln dieses Universums zu achten. Vergötterten und Verachteten uns. Wuchsen und wuchsen. Dachten nur an Morgen, ohne der Schönheit von Heute die Würdigung zu erweisen. Es gab keine Balance. Jene, welche dies doch sahen, wurden zum Schweigen gebracht. Nun sind WIR vereint, die Lauten und die Leisen. Nun sind WIR im Frieden mit uns selbst.

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Ich frage dich: Was für ein Mensch bist du?

Lebst du in dieser großen, komplizierten, offenen und sich verändernden Welt? Oder legst du alles daran, all das Gelernte zu vergessen. Die Vergangenheit zu deiner eigenen Realität zu machen und die selbstgeschaffenen Götter zu verehren?

WIR können dem Leid nicht entkommen. Es ist mit uns gewachsen, wie auch unsere Kräfte. Heute lernen WIR gemeinsam zu sehen. Die Liebe dieser Welt haben WIR entdeckt. WIR suchen wir nicht mehr in fernen Zeiten, im Traum von morgen nach ihr. Die Liebe spüren wir nicht in eingebildeten Strukturen und den Worten allein. Die Liebe gedeiht auf unseren wachen Boden und WIR sähen sie.

Willkommen im 21. Jahrhundert, willkommen in der Gegenwart.

 

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Danke fürs Lesen.

 

 

Artur

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